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Das Ustroner Jan-Jarocki-Museum (Muzeum Ustrońskie im. Jana Jarockiego)

Unser Museum funktioniert seit dem 18. April 1986 in dem historischen, über 200-jährigen Gebäude der Verwaltung der ehemaligen Klemens-Eisenhütte, in der Hutnicza Straße 3, als  Museum für Hütten- und Schmiedewesen. Es ist dank dem Schmiedebetrieb FSM (Zakłady Kuźnicze FSM) entstanden, und seit dem Jahre 1992 funktioniert diese Einrichtung unter der Schirmherrschaft von der Stadtbehörde in Ustron.
Das Ustroner Museum, täglich geöffnet, ist zu jeder Jahreszeit eine unbestrittene Attraktion der Stadt, und die monumentalen in direkter Nachbarschaft stehenden Schmiedemaschinen locken zur Besichtigung des Museums an. Das Museum zeigt allen Interessierten einige interessante Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen: beginnend mit der Ustroner Geschichte, die mit Beweisen der ehemaligen Tätigkeit geschildert wird (einmalige Fotographien, Dokumente, Baumodelle) und endend mit den wunderschönen regionalen Ausstellungen zum Thema „Kleidung und Haushaltsgeräte der ehemaligen Gehöften“, was ein einmaliges Klima der Zeiten unserer Vorfahren wiedergibt, die schon unwiederbringlich vorbei sind.
Unsere Einrichtung organisiert systematisch Abendtreffen, Leseabende und Konzerte. Jedes Jahr wirbt  sie für den „Ustroner Kalender“ sowie für andere regionale Veröffentlichungen. Während der 25 Jahre der Tätigkeit organisierte das Museum über 440 unterschiedliche kulturelle Veranstaltungen, an denen zusammen mit den Ausstellungsbesuchern fast 200 000 Interessierte teilgenommen haben. Die alljährliche Besucherzahl schwankt zwischen 8 000 und 10 000. Unsere Einrichtung popularisiert auch Ortskünstler – Kunstmaler, Bildhauer und Frauen, die sich mit Spitzenstickerei beschäftigen, dadurch dass wir ihre Kunsthandwerke zum Ankauf anbieten. Außerdem bearbeitet man stets die Geschichte von Ustron, und der Ertrag der Forschungsarbeiten stellt man in zahlreichen regionalen Verlagen vor, die man an Ort kaufen kann.
Unsere Einrichtung erfüllt Erwartungen aller Personen, die an umfangreicher Geschichte unserer Stadt interessiert sind.

 Industrieaustellung (Wystawa przemysłowa)

Ustron ist nicht nur ein in unserem Land bekannter Kur- und Erholungsort, mit zwei Krankenhäusern und ausgebauter Infrastruktur, es ist aber wissenswert, dass diese Stadt langjährige Hütten- und Schmiedetraditionen besitzt. Die Industrie und der Kurort existierten in dieser Ortschaft gleichzeitig fast ein Viertel des Jahrtausends. In Ustron entdeckte man das Eisenerz und auf der Grundlage dieses Rohstoffes, und der Tatsache, dass dieses Gelände reich an  wachsenden Baumbeständen der Buche war (in Form von Holzkohle), betätigte man gegen 1772 die Klemens-Eisenhütte, die hier in unmittelbarer Nähe bis Ende des 19. Jahrhunderts in Betrieb war. Dagegen befand sich die Verwaltung der Hütte eben in unserem Museum, das eine sehenswürdige an der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts aus Stein gebaute Anlage ist.
Die Eisenhütte setzte in Ustron fünf Anlagen der Eisenverarbeitung in Gang, die mit einem Kanal – Młynówka genannt – verbunden waren. Für ihren Gründer erklärt man den Sohn des polnischen Königs Augusts des III., den Prinzen Albrecht Kazimierz, der die so genannte Teschener Kammer dank der Ehe mit Maria Krystyna, Tochter der Kaiserin von Österreich Maria Theresa 1766 bekam.
Im Jahre 1780 entstand die erste Verarbeitungsanlage – das Hammerwerk „Adam“, und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte man folgende Anlagen in Betrieb: das Walzwerk, den Kupferverarbeitungsbetrieb, den Betrieb für plastische Zinnbearbeitung, die Gießerei „Elżbieta“, die Hammerwerke: „Albrecht“, „Krystyna“ und „Teresa“, sowie das Nagelwerk. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden: ein Betrieb für Kesselproduktion und ein Maschinen- und Brückenbaubetrieb.
Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts betrug die Erzeugungsquote der Ustroner Betriebe 40 % der damaligen Hüttenproduktion Schlesiens, das von der österreichischen Monarchie besetzt wurde, und in ihrem reichen Sortiment überwogen: Wagenachsen, Zahnräder, gusseiserne Öfen, Töpfe, Gussstücke der Maschinenteile, Nägel, Mörser und Kanonenkugeln.
Mit der Zeit lohnte sich der Verkehr von Rohstoffen und Erzeugnissen mit Leiterwagen nicht mehr, und die Eisenbahn leitete man nach Ustron erst 1888, daher auch begann man in den 70er Jahren des 19.Jahrhunderts allmählich die Ustroner Betriebe aufzulösen. Im Jahre 1877 verlegte man das Walzwerk nach Trzyniec, wo sich das Hüttenwesen aus Rücksicht auf die nah gelegenen Rohstoffe günstig entwickelte, und 1881 schloss man den Brückenbaubetrieb. Die übrigen Anlagen existierten weiter, jedoch von der größten Bedeutung war in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts der Maschinenbaubetrieb, wo man Dampfkessel, Behälter, Hütten- und Bergbaugeräte, sowie Dinge für die Eisenbahn, Wasser- und Dampfsägewerke, Brennereien, Brauereien, Mühlen, als auch Niete, Pumpen, Schrauben und Dampfpflüge als erste nach England auf dem europäischen Kontinent produzierte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte man die erste Wasserturbine in Gang, die die Elektrizität an die noch vorhandenen Betriebe leitete.
Im Jahre 1897 löschte man den Hochofen und damit endete die Etappe des Ustroner Hüttenwesens, und die Verarbeitung von Eisen auf der Grundlage des gelieferten Rohstoffes wurde spezialisiert.
Im Jahre 1912 wurden die übrigen Ustroner Betriebe der Wiener Aktionsgesellschaft Brevillier-Urban verkauft. In den 20er Jahren stieg allmählich die Produktion hinsichtlich der Menge und der Auswahl. Für die Bahn produzierte man: Wagenausrüstung, Weichen, verschiedene Elemente der Bahndecken und Signalanlagen. Man begann mit der Herstellung der Schmiede- und Schlosserschraubstöcke, Werkzeuge: Hämmer, Spitzhacken, Maschinenschlüssel und Zangen. In den 30er Jahren, als Ingenieur Jan Jarocki Betriebsdirektor wurde, fing die Fabrik an, Kraftfahrzeugschmiedestücke, dauernd brennbare Öfen und verschiedene Pressen herzustellen. Der Direktor bekam neue Produktionsaufträge, gleichzeitig bemühte er sich um Fabrikmodernisierung. Es wurden damals moderne Maschinen gekauft, und das energetische System wurde geregelt. Dies trug zur Erhöhung der Produktionskapazität und zum Arbeitsstellenanstieg bei.
Während des zweiten Weltkriegs wurde das Unternehmen durch die deutsche Firma Volkswagenwerk (1941) übernommen, aus Rücksicht auf eine billige und qualifizierte Arbeitskraft sowie den Mangel an einer großen Schmiede unter ihren Betrieben. Die Produktion der Schmiedestücke für die Landwirtschaft und das Eisenbahnwesen wurde fortgesetzt und man begann mit der Rüstungsproduktion. Nach den Plänen der neuen Besitzer sollte der Betrieb eine der größten Schmieden Europas werden, aber mit dem Ausbau fing man nie an.
Die Fabrik wurde durch direkte Kriegshandlungen nicht zerstört, und nach der Durchführung unentbehrlicher Reparaturen wurde die Betriebstätigkeit im Mai 1945 wieder aufgenommen. Zum Direktor wurde wieder Jan Jarocki gewählt (bis 1959). Im Betrieb wurden Teile für agrarische Maschinen und Werkzeuge hergestellt. Im Jahre 1946 wurde im Betrieb ein Motorprototyp für das polnische Motorrad „Sokół 125“ („der Falke 125“) gemacht. Im gleichen Jahr bekam man eine Bestellung auf Eisenbahnteile. Gute Qualität dieser Produktion festigte die Position der Fabrik auf dem Binnenmarkt und verursachte neue Bestellungen.
In der Verordnung des Industrie- und Handelsministers 1948 beschloss man ein staatliches Unternehmen zu bilden, das im Rahmen der nationalen Wirtschaftspläne  nach Prinzipien der Handelswirtschaft als Kuźnia Ustron (die Ustroner Schmiede) geführt wird.
Der größte Vorteil der Schmiede war eine gute Produktionsqualität. Es begann ihr starker Anstieg, bedingt durch die Konjunktur für Produkte, die nach der Methode der plastischen Bearbeitung erzeugt wurden und die unentbehrlich in allen Wirtschaftsbereichen waren.
In der Hälfte der 50er Jahre unterlag das Produktensortiment der  Schmiede erheblichem Wandel zugunsten der unterschiedlichen und spezialisierten Schmiedestücke, wie z.B. von einfachen Gliedern der Bergbauketten bis arbeitsaufwändigen Kurbelwellen, Schraubstöcken, Eisenbahngespannen.
Schon im Jahre 1957 interessierte sich der Vorstand der Schmiede für die  Ausfuhrmöglichkeiten ihrer Produkte. Die ersten Lieferungen der Eisenbahngespanne wurden nach Ägypten und Indien geschickt. Man exportierte in die Sowjetunion, in die Deutsche Demokratische Republik, in die Tschechoslowakei, nach Bulgarien, nach Jugoslawien, Kuba, Albanien, in die Vereinigte Arabische Republik, in die Türkei, nach Abessinien, Sudan, Israel, Schweden. Die Spitzenanteile der Ausfuhr in der gesamten Fabrikproduktion erreichten ihren Höhepunkt 1961, als sie bis 20% des Gesamtwerts kamen.
Unter über 40 Schmieden, die in der Hälfte der 60er Jahre in Polen Matrizenschmiedestücke produzierten, war der Ustroner Betrieb ein einziges selbstständiges Unternehmen im Land, das den ersten Platz in der gesamtstaatlichen Schmiedestückeproduktion einnahm. Gleichzeitig hatte es eine Spitzenstellung in seiner Branche als das größte Zentrum der Fabrikschmiede in Polen, und weil es hoch qualifiziertes Personal hatte.  Seit dem Jahr 1962 begannen nach Ustron ausländische Fachleute zu kommen, die ihre Berufsgeheimnisse vertiefen wollten. Der Export der polnischen Maschinen und Schmiedegeräte verursachte unter den ausländischen Abnehmern die Notwendigkeit, sich mit dem Bau und den Benutzungsmöglichkeiten dieser Maschinen vertraut zu machen.
1966 wurde die Schmiede in die Liste der Betriebe der ersten Kategorie eingeordnet. Im Rahmen des zwischenbetrieblichen Wettbewerbs stand die Schmiede unter 17 Unternehmen des Verbandes der Kraftfahrzeugindustrie mehrmals an der Spitze. Ende der 60er Jahre bedeutete einen weiteren Schmiedeausbau. Es wurde beschlossen, dass man auch in Skoczów eine neue Anlage baut. Im Jahre 1968 wurde sie feierlich in Betrieb genommen. Dies brachte eine neue Entwicklungsphase der Schmiede Ustron in Gang, als Unternehmen, das aus vielen Betrieben bestand. Die weitere Konjunktur wurde mit der Landesmotorisierung verbunden. Kraft der Verordnung des Maschinenindustrieministers vom 30. Juli 1970 wurde die Schmiede Ustron mit dem  Betrieb der Mechanischen Ausrüstung in Bielsko-Biała als eine auswärtige Filiale verbunden. Auf dieser Grundlage, 1972, entstand eine Kleinwagenfabrik, ein Unternehmen mit 11 Betrieben. In Strukturen dieser Fabrik beging der Ustroner Betrieb sein zweihundertjähriges Jubiläum.
Die Produktion der Schmiedebetriebe FSM (Kleinwagenfabrik) unterlag allmählich dem Wandel. Bis Ende der 80er Jahre überwogen im Produktensortiment die Schmiedestücke für den Landesbedarf, dann konzentrierte man sich auf die Ausfuhr nach Westeuropa, Kanada und in die Vereinigten Staaten.
Der Produktionsrückgang in der Wandelzeit verursachte die Verminderung der finanziellen Mittel, um die Geräte in Bewegung aufrechtzuhalten. Es trat der Stellenabbau ein. Im Jahre 2007 berief der Vorstand ein Team ein, das für die Produktionskonzentration  in Skoczów verantwortlich sein sollte. Das bedeutete die Auflösung des Betriebs in Ustron.
Das Jahr 2008 brachte das Ende der Schmiede Ustron, die ununterbrochen über 236 Jahre tätig war. In die Geschichte ging der größte und der älteste Industriebetrieb der Stadt ein, der nicht nur der Hauptarbeitsgeber auf diesem Gebiet sondern auch der Veranstalter des Bildungs-, Kultur- und Sportlebens war. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gehörte die Schmiede Ustron zu den bedeutendsten und größten Betrieben in Polen, die Matrizenschmiedestücke produzierten.
Auf der Ausstellung stellen wir Dokumente und alte Fotographien vor, die über Vierteljahrhundert in unserer Einrichtung angesammelt wurden, sowie Maschinenmodelle (Hammer und Pressen). Die authentischen von der Schmiede Ustron übernommenen Maschinen befinden sich dagegen in dem nahe liegenden Freilichtmuseum.

Ethnographische Ausstellung im Ustroner Museum (Wystawa Etnograficzna w Muzeum Ustrońskim)

Die ethnographische Ausstellung in unserem Museum besteht hauptsächlich aus Sehenswürdigkeiten, die uns von den Einwohnern Ustrons und Umgebung geschenkt worden sind. Die meisten Ausstellungsstücke stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, den Anfängen des 20. Jahrhunderts und der Zwischenkriegszeit.
Ustroner Museum besitzt eine reiche Vielfalt an Sammlungen, die nicht zeitgleich ausgestellt werden können, aus diesem Grund wird die Ausstellung mehrmals im Jahr bereichert und aktualisiert. Der Trumpf unseres Museums ist eine groβe Sammlung an Kleidung, vor allem Unterwäsche, verziert mit handgemachter Spitze und Stickerei. Im 19. Jahrhundert galt Ustron als ein wichtiges Zentrum der Spitze auf der Teschener Erde und spezialisierte sich sowohl in der Klöppelspitze als auch Stickspitze, die auf handgemachtem Netz mit der Nadelspitzentechnik angefertigt wurde.
Mit der letzten verzierte man sowohl Vorhänge, Servietten, Decken als auch zahlreiche  Wäschespitzeneinsätze. Die Spitzenstickerei, Richelieu, ziert auch viele ausgestellte Stücke der damaligen Wäsche. Die Klöppelspitze war eine schwierige Kunst und ihre Wesensart lag in der dichten Verflechtung und präzisen Ausführung. Die hier ausgestellte Werkstatt zur  Fertigung von Klöppelspitze besteht aus einem mit Heu gefüllten, rollenförmigen Klöppelkissen aus Lein, das sich auf einem entsprechend geformten, hölzernen Untergestell befindet. Ein auf Pergament gezeichnetes Muster (Klöppelbrief) wurde auf dem Klöppelkissen mit Nadeln festgesteckt. Anschlieβend wurden Leinen- bzw. Baumwollgarne sowohl auf Spulen (Klöppel) als auch Stecknadeln gewickelt. Das Garn wurde dann durch Kreuzen und Drehen der Klöppel verzwirnt, verflochten bzw. verwebt. Je nach Muster und Art der Spitze konnte die Anzahl der verwendeten Klöppel bis 200 betragen. Die Klöppelspitze wurde in Ustron bis in die sechziger Jahre hinein angefertigt. Zur Zeit fertigt die Einwohnerin des Nachbarschaftsortes  Cisownica  als Einzige die Klöppelspitze an. Auch heute noch fertigen die Einwohnerinnen Ustrons zahlreiche Verzierungen und Schmuckstücke aus Spitze an, die  man in unserer Ausstellung bewundern kann.
Es handelt sich aber hierbei um Häkelspitze. Der wichtigste Teil unserer Ausstellung stellt die damalige Volkstracht dar, die in Ustron getragen wurde. Man kann aber nur ein einziges Exemplar des erhaltenen männlichen Anzugs bei uns bewundern, der aus der Zwischenkriegszeit stammt.
In diesen Anzügen zogen die Einwohner Ustrons in einer Pferdekavalkade während des Erntedankfestes und anderer wichtiger Feierlichkeiten durch die Stadt.  Die damaligen Formen der männlichen Kleidung in Ustron sind nicht erhalten geblieben, denn die Ortsansäßigen, die sich die österreichischen im örtlichen Gewerbe beschäftigten Hüttenbeamten zum Vorbild genommen haben, wünschten sich schon im 19. Jahrhundert nichts sehnlicher, als sich so zu kleiden, wie die Stadtbewohner selbst. Das kann man auf den erhaltenen, alten Fotos sehen.
Unsere Volkstracht, auch teschene oder schlesische Volkstracht genannt, gehört zu den prachtvollsten und vornehmsten Volkstrachten in ganz Polen. Die weibliche Version besteht aus einem Kleid, einem faltenreichen wollenen Rock, der mit einem Mieder zusammengenäht ist. Der Mieder ist aus Samt angefertigt und eine Pappe gibt ihm den steifen Halt. Die ältesten Mieder, die man in unserer Vitrine bewundern kann, waren mit Metallgarn bestickt und mit silbernen und goldenen Bändern, etwas später auch mit Flittern und Glasperlen besetzt. Die prunkvollen Verzierungen rückten nach dem ersten Weltkrieg allmählich in die Ferne, als man von uns das Olsa-Gebiet und folglich auch die Quelle, die uns mit prachtvollen Verzierungen belieferte, trennte. Damals fing man an, die Mieder mit schlichter und farbenfreudiger Stickerei, die meist Pflanzenmotive darstellte, zu verzieren. Weitere Elemente wie z.B. Gürtel und silberne Verzierungen, z.B. am Mieder angebrachte Schnallen (hoczki), die  mit Ketten verbunden  waren, sind ein Beweis dafür, wie prachtvoll unsere Volkstracht war. Nur wohlhabende Leute konnten es sich leisten, so gekleidet zu sein. Die Frauen aus Ustron trugen unter ihrem schlesischen Kleid eine weiβe, bestickte Bluse mit bauschigen Ärmeln, die kabotek genannt wurde. Zusätzliche Elemente waren eine Schürze und ein dazu passendes Tuch, das am Hinterkopf zusammengebunden war. Unter dem Tuch war eine Frauenhaube zu sehen, die eine verheiratete Frau während der Hochzeit und des ritualen Brautstrauβwerfens trug. Ab diesem Momente konnte sie sich außerhalb des Hauses ohne Haube nicht blicken lassen.  Als die junge Frau beschlossen hatte  zu heiraten, bereitete sie ihr Heiratsgut wie z.B. Unterwäsche, Bettwäsche und Kleidung, die sie hauptsächlich selbst genäht und bestickt hatte, vor und bewahrte alles sorgfältig in einer bemalten Truhe aus Holz auf. Diese Truhen, die immer wunderschön bemalt und datiert waren, sind auch ausgestellt.
Die Truhen übten die Funktion eines Schrankes, der erst in der Zwischenkriegszeit in wohlhabenden Häusern auftauchten, aus. Die Besucher zeigen groβes Interesse an alten Gegenständen wie z.B. Nähzeug, Sachen, die mit der Wäsche und der täglichen Toilette verbunden sind. Aus diesem Grund sind antike Frisiertische, Badewannen, sogar  Nachttöpfe , Parfüme, Spiegel, Lockenstäbe und Handtücher ausgestellt. Groβen Gefallen finden die weiblichen Besucher auch an früheren Schuhen, Hüten, Muffen, Handschuhen oder Handtaschen. Unumgänglicher Teil unserer ethnographischen Ausstellung sind alte Waschmaschinen. Dabei handelt es sich nicht nur um Waschbretter, von denen wir eine groβe Auswahl besitzen – Waschbretter aus Eichenholz, Glas, Porzellan, Blech und Aluminium – sondern auch interessante Erfindungen, die über ein Jahrhundert alt sind wie z.B. Rippen die durch die Betätigung des Handgriffs aneinander gerieben werden.
Groβes Interesse wecken alte Bügeleisen. Wir präsentieren zahlreiche Schaustücke, die mit Holzkohle, Gas oder Bolzen erhitzt wurden und Schneiderbügeleisen mit einem abnehmbaren Griff, die wiederum im Ofen erwärmt wurden. Auf unserer Ausstellung findet man auch das erste Exemplar eines mit Strom angetriebenen Dampfbügeleisens in Ustron.
Imposant ist auch unsere Küchenecke, die mit Mörsern, Waagen und Gegenständen aus Messing und Kupfer, Backformen für Kleingebäck und Lebkuchen, Butterdosen, einem kunstvoll verziertem Gefäß zur Formgebung der Butter und damaligem, festlichem oder alltäglichem Tafelgeschirr ausgestattet ist. Man kann auch am fast hundertjährigen Vanillezucker oder Kaffee aus der Zwischenkriegszeit riechen,  alte Pralinenschachteln, Kaffee -und Teepackungen und Verpackungen aromatischer Gewürze bewundern. Interessant ist auch das Geschirr aus Lehm – Krüge, Schüsseln, Gefäβe  zur Trennung der Sahne von der Butter. Manches Geschirr ist fast 200 Jahre alt. Seit einem Jahr bieten wir die Ausstellung der damaligen Spielsachen an. Mit manchen Ausstellungsstücken können die Kinder spielen. Das ist eine groβartige Attraktion, die unsere jüngsten Besucher entzückt. Auβer der zahlreichen Spielsachen – Pferdchen, Vögel, Wiegen und Kutschen – zeigen wir alte Puppen- und Kinderwagen, wunderschöne Puppen aus Zelluloid und Teddybären, von denen einer aus einem Seidenpelzmantel und über 100 Jahre alt ist. Dazu kommen noch Möbel für die Puppen, die vor vielen Jahren von ihren kleinen Eigentümerinnen angefertigt wurden. Der Gedanke war, den Kindern, die heutzutage viele Spielsachen haben und sie nicht zu schätzen wissen, zu zeigen, dass damals Gleichaltrige nur in Besitz z.B. einer Stoffpuppe oder eines Bären waren. Diese Bären und Puppen wiegten die Kinder in den Schlaf, gaben ihnen das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit und  wurden manchmal  auf Familienfotos verewigt.
Das Gemälde – die Hochzeit wesele-  das ein Teil unserer Ausstellung ist, stellt eine Goralenhochzeit in Istebna dar und wurde von Ludwik Konarzewski Junior im Jahre 1975 auf  Bestellung  der Genossenschaft der Lebensmittelartikel PSS Społem gemalt. Das Bild präsentiert die Einwohner Istebnas. Die damaligen PSS-Arbeitnehmer konnten sich auch noch vor kurzem auf dem Gemälde wiederfinden. Das Bild beginnt auf der rechten Seite und präsentiert die Begrüβung mit Brot und Salz. Dann folgt der Tanz und das Hochzeitsfestessen. Auf der linken Seite sieht man die Zeremonie des Brautstrauβwerfens oczepiny der Braut. Das ist das gröβte Ölgemälde im Beskiden-Vorland mit der Breite von 9 und der Höhe von 2 Metern. Es präsentiert den traditionellen Festbrauch, sowie Kleidung und Musikinstrumente.

Kurorttradition (Tradycje Uzdrowiskowe)

Ustron blickt auf eine langjährige Kurorttradition zurück, die seit einem Vierteljahrtausend ununterbrochen anhält. Die ersten Kurgäste trafen Mitte des 18. Jahrhunderts in dieser wunderschönen Ortschaft, die in den Beskiden an der Weichsel gelegen ist, ein. Sie wandten die sog. Molkekur an. Auf der Alm lieβ man zahlreiche Schafsherden weiden und zur Heilung wurde Käsewasser, das bei der Herstellung von Schafskäse entstand, angewandt. Diese Molkekur wirkte sich vorteilhaft auf den Organismus aus. In den Jahren 1802 -1804 wurde das erste Gebäude für die eintreffenden Gäste errichtet. In diesem Kurhotel mit Badezimmern genoss man Schlackenbäder. Man stellte schnell fest, dass das Wasser, mit dem man die Hochofenschlacke abkühlte, rheumalindernd wirkte und wandte es  dort an. Den Rohstoff lieferte ein groβer Hochofen, der sich in der unmittelbaren Nachbarschaft befand. In dem Hotel gab es auch eine Trinkhalle mit der Molke. Das Hotel lag in der Nähe einer Eisenhütte, die dem Kurort keinen Schaden zufügte, sondern das Angebot an Heilung durch Schlackenbäder bereicherte. Die glühende Schlacke wurde  in eine mit Wasser gefüllte Badewanne hineingelegt. Das Wasser spülte die Schwefelverbindung aus der Schlacke aus, was wiederum das Rheumaleiden linderte. Laut der Bevölkerungszählung aus dem Jahre 1840 lebten in Ustron fast zweitausend Einwohner und die Stadt zählte über zweihundert Wohnhäuser. Unsere Ortschaft belegte schon damals den dritten Platz in Bezug auf die Einwohnerzahl unter den Teschener Dörfern und den ersten, wenn es um die Besiedlungsdichte geht.
Die stetige Entwicklung des Dorfes übte 1856 einen groβen Einfluss auf die Erhebung Ustrons zur Stadt.
Mit der Entwicklung der Hüttenindustrie im Jahre 1856 eröffnete man das Postamt und zwanzig Jahre später das Telegraf. Ustron war das erste Dorf auf der Teschener Erde, das diese Art der Kommunikation besaβ. Mitte des 19.  Jahrhunderts war Ustron als Kurort bekannt  und die Zahl der Kurgäste, die aus Galizien, Tschechien und Deutschland eintrafen,  nahm stetig zu. In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts entstand das zweite Hotel Beskid. Ustron wurde von der Landesregierung in Troppau als österreichischer Kurort anerkannt. Gleichzeitig wurden ein Kurausschuss und ein Arzt des Kurortes berufen. Im Jahre  1890  zeigte  die Bevölkerungszählung in Ustron 4400 Einwohner und 450 Wohnhäuser auf. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz im Jahre 1888 wirkte sich vorteilhaft auf die Entwicklung des Kurortes aus. In dieser Zeit trafen immer mehr Kurgäste in Ustron ein, am Ende des 19. Jahrhunderts waren es 300- 500 Besucher jährlich. In den achtziger Jahren entdeckte man Moorvorkommen und Quellen eisenhaltigen Wassers, was wiederum im  Heilwesen eingesetzt wurde. Die eisenhaltige Quelle im Gosciradowiec-Tal und die in der Nähe errichtete Gaststätte erfreuten sich sowohl bei den ortsansäβigen Spaziergängern als auch bei den eintreffenden Gästen groβer Beliebtheit. Trotz der Krise der örtlichen Industrie, die zweifellos einen schlechten Einfluss auf die existenzielle Lage der Bevölkerung ausübte, entwickelte Ustron als Kur-und Ferienort weiterhin seine Möglichkeiten. Im Jahre 1901 eröffnete man eine Badeanstalt, die das Angebot an Dienstleistungen in Bezug auf die Heilkur erheblich erweiterte, was man oft in der Presse lesen konnte:
Hier ein Beispiel:
„die ersten schlesisch – österreichischen Moorbäder, eine nach den neusten Anforderungen errichtete Badeanstalt,, eigene Moorvorkommen, Fango-Bäder aus Kohlensäure, Nadel – Bäder, Sole-Bäder, Spritz – Bäder,  täglich frische Molke”
Im zwanzigsten Jahrhundert stieg die Zahl der Besucher  systematisch an und im Jahre 1936  trafen über 4000 Kur-und Sommergäste in Ustron ein.
In der Zwischenkriegszeit wurde die Ortschaft ausgebaut. Es entstanden Straβenbeleuchtungen und viele attraktive Fuβwege, die zum Spaziergang einluden. 1933 eröffnete man ein Schwimmbad und ein Jahr später übergab man den asphaltierten Weg, der auf den Berg Równica führt, dem Verkehr. Auf dem Berggipfel wurde eine Jugendherberge gebaut. Es entstanden private Villen und Gästehäuser, was wiederum Dienstleistungen und den Handel aufblühen lieβ.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurden dagegen die Handlungen intensiviert, um die Heil- und Erholungsanlagen auszubauen. In den 60er Jahren entstand ein Erholungskomplex im Stadtviertel Jaszowiec. Es wurden damals 16 Anlagen für 2 500 Personen, sowie ein Restaurant, Geschäfte, eine Post, eine Arztpraxis und ein Kulturhaus eröffnet.
Im Jahre 1967 wurde Ustron schon wieder als Kurort anerkannt, und man begann mit dem Bau des Heil- und Rehabilitationszentrums im Stadtviertel Zawodzie. Den Einfluss  auf die Entscheidung über die Lokalisierung hatte die Tatsache, dass man da konzentrierte, warme Solquellen entdeckte. Die Vorteile waren auch gute Sonnenbestrahlung des Stadtviertels und der Landschaftsreiz. 1967 eröffnete man einen Sessellift auf den Czantoria-Berg. Es war die erste und bis heute die einzige dieser Art Touristenattraktion auf der Teschener Erde.
Im Jahre 1975 eröffnete man im Stadtviertel Zawodzie das Schlesische Rheumatologische Krankenhaus für 360 Patienten, das als erstes im Südpolen mit diesem Schwerpunkt war. 1976 eröffnete man auch ein Amphitheater im Kościuszko-Park, das mit einer bedeckten Bühne und Plätzen für 2 000 Zuschauer ausgestattet wurde. Das ganze Amphitheater wurde 2003 bedeckt. Im Jahre 1986 eröffnete man ein Kurkrankenhaus, dessen Ausbau in den 90er Jahren realisiert wurde. Zu dieser Zeit konnte man schon die Mehrheit der 17  Erholungshäuser, sog. Pyramiden benutzen.
Es ist erwähnenswert, dass Ustron das älteste und bisher einzige Bad auf der Teschener Erde ist. Am Anfang des 21. Jahrhunderts ist es eine der bekanntesten und beliebtesten Kur-, Erholungs- und Touristenortschaften in Polen, und es wird immer populärer auch in Europa.

tłumaczenie Aleksandra Kowalczuk


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